Die Stuttgarter Seilbahn

Die 1929 erstmals in Betrieb genommene Stuttgarter Standseil- bahn fährt in vier Minuten von Stadtteil Heslach hinauf in den ruhigen Wald Richtung Waldfriedhof im Stadtbezirk Degerloch. Die beiden Wagen fahren nach dem Gewichts- ausgleichsprinzip nahezu gräuschlos auf und ab. Obwohl sie einen enormen Höhenunterschied von 87 Höhenmeter bei einer Stiegung von max. 28,2 % überwindet, benötigt die Standseilbahn kaum Energie. Dabei geht es über eine Entfernung von 536 Meter von der Talstation auf 297 m zur Bergstation auf 382 m. Bei ihrer Eröffnung war die Stuttgarter Seilbahn die erste in Deutschland mit automatischer Steuerung.

Die beiden Wagen sind noch heute weitestgehend im Originalzustand unter- wegs und wurden zum 75-jährigen Jubiläum feinfühlig restauriert. Während heute meist Wanderer, Schulklassen, Familien und Touristen die Seilbahn benutzen, waren es früher meist Besucher des Waldfriedhofes, die das ungewöhn- liche Transportmittel nutzten. Daher wird die Seilbahn auch "Erbschleicherexpress" genannt.

Mit der Zeit änderten sich die Vorschriften und der Fortbestand der Seilbahn wurde 2003 in Frage gestellt, da nur aufgrund umfangreicher Renovierungsarbeiten eine Weiterführung möglich war. Da die Bahn nie kostendeckend fuhr, aber bis heute immer noch das effektivste und wirtschaftlichste öffentliche Verkehrsmittel für den Betrieb zum Waldfriedhof ist, war sie unersetzbar. Dies führte dann zur Entscheidung diese faszinierende Transportmittel in Zusammenarbeit mit den Denkmalbehörden zu modernisieren. Dadurch wurde die Heslacher Seilbahn zur ersten EU-zertifizierten Seilbahn Europas. Der Fortbestand der Stuttgarter Standseilbahn ist nun für die nächsten Jahrzehnte technisch gesichert.