Der Killesbergturm im Höhenpark Killesberg

Der Zaiser-Turm

An der Stelle, an der sich heute der Killesbergturm befindet, beganneine lange Geschichte die bereits 1939 zur Reichsgartenschau beginnen sollte. Der damals gewünschte und geplante Turm wurde dann doch nicht realisiert. Dieser war bereits vor Beginn des Zweiten Weltkrieges zur Reichsgartenschau 1939 geplant worden, das Bauvorhaben konnte jedoch durch den Krieg zunächst nicht umgesetzt werden und Stuttgart mußte weitere elf Jahre bis zur Deutschen Gartenschau 1950 warten bis es endlich den gewünschten Aussichtsturm erhalten sollte. Dieser wurde auf einer Anhöhe über dem ehemaligen Steinbruch errichtet, welcher bereits zu dieser Zeit als Tal der Rosen angelegt worden war.

Es entstand eine Konstruktion aus Stahl und Glas. Der Turm wurde von der Aufzugsfirma Zaiser gespendet und errichtet. Daraus leitete sich dann auch der Name Zaiser-Turm ab.

Auf der Spitze des Turms befand sich der erste Ultrakurzwellen-Sendeanlage im Sendegebiet des damaligen Süddeutschen Rundfunks SDR und blieb bis zur Eröffnung des Fernsehturms in Betrieb.

Bereits 1974 wurde der Zaiser-Turm abgerissen, da er stark renovierungsbedürftig und einsturzgefährdet war und es einer dringenden Renovierung bedurfte, sich jedoch keinen Investor fand, der bereit war die anfallenden Kosten zu übernehmen.

Der Killesberg-Turm

Der Wunsch eines Aussichtsturm auf dem Killesberg bestand in Stuttgart weiterhin, so dass ein Neubau zur Internationalen Gartenbaustellung (IGA) 1993 in Stuttgart entstehen sollte. Der renommierte Architekt Jörg Schlaich stellte einen Entwurf für einen neuartigen Seilnetzturm vor. So wurde der neue Killesbergturm in das Bauprogramm der IGA 1993 aufgenommen, und es herrschte allseits eitel Freude über den zu erwartenden Zuwachs an Aussichtsmöglichkeiten. 

In den 1990iger-Jahren trat – nicht zuletzt durch die Deutsche Einheit – eine gewisse Ebbe in den öffentlichen Kassen ein. Bereits 1992 kam man auf die Idee eine geplante Panoramabahn für etwa neun Monate zu realiserenn, den geplanten Aussichtsturm jedoch zurückzustellen. In der Folge entschied der Gemeinderat der Stadt Stuttgart im April 1992, auf den Bau des Aussichtsturmes im Killesbergpark zu verzichten.

Nur wenige Stunden später wandte sich der IGA-Chefplaner Prof. Hans Luz an den damaligen Vorsitzenden des Verschönerungsvereins Manfred Schempp. Seine Idee und Frage war, ob nicht vielleicht der Verschönerungsverein das Projekt in die Hand nehmen könne. Die Finanzierung sollte durch Spendenaufrufe erfolgen, so dass eine Realisierung noch im Rahmen der IGA erfolgen könnte. Dieser Gedanke lag nahe, nach dem der Verschönerungsverein Stuttgart den im Krieg gesprengten Hasenbergturm errichtet und auch den Kriegsbergturm geschaffen hatte. Allerdings konnten die ernormen Aufgaben und Investitionen, innerhalb der wenigen verbliebenen Monate bis zum Beginn der IGA 1993, vom Verschönerungsverein nicht mehr gestemmt werden. So fand die IGA 1993 ohne den als ihren krönenden Abschluss geplanten Aussichtsturm statt.

Im Jahr 1998 kam dem damaligen Vereinsvorsitzenden und heutigen Ehrenmitglied Fritz Oechßler eine im geschichtlichen Rückblick nur als glückhaft zu bezeichnende Idee:

Jeder Turm hat Stufen. Sie sind unerlässlich, um ihn zu besteigen. Jede Stufe stellt eine selbstständige Einheit dar, die auch ihren Ausdruck in einem selbstständigen Finanzierungsanteil finden kann. Wenn es gelingt, jeden Schritt des Besuchers zur Erklimmung des Turmes mit einem Spender eines Baubestandteiles zu verbinden, wäre eine so große Resonanz der Spende für den Bau sichergestellt, dass die Finanzierung gelingen muss.

Quelle: killesbergturm.de

So kam es zur Idee der Turmstufenspende. Für den doch sehr hohen Betrag von 1.800,– DM konnte das Namensgebungsrecht an einer Turmstufe erworben werden. Zwei große Spendenaufrufe waren nötig um 40% der Baukosten zu decken. Weitere ca. 40 % der Baukosten stellte der Verein aus dem Erlös für den Verkauf eines vereinseigenen Grundstücks zur Verfügung. Somit brachten der Verein und seine Mitglieder von den gesamten Baukosten von 2,1 Millionen DM nahezu drei Viertel selbst auf.

Im August 2000 fasste der Verschönerungsverein den Beschluss zum größten Bauprojekt seiner bisherigen Vereinsgeschichte – den Bau des Turms im Killesbergpark. Schon zwei Monate später, am 24. Oktober 2000, fand der erste Spatenstich statt. Noch glaubte kaum jemand in der Stadt, in der Bevölkerung oder der Presse, dass diese Idee verwirklicht werden könnte.

Nach anfänglichem Zögern und langen Verhandlungen gab auch die Stadt grünes Licht, stellte das benötigte Grundstück kostenlos zur Verfügung, erteilte die Baugenehmigung und übernahm für den Turm die Verkehrssicherungspflicht sowie die Kosten der Instandhaltung.

Nach dem Spatenstich war der restliche Spendenbetrag innerhalb kürzester Zeit beieinander. Bis Mai 2001 hatte der Mast die Höhe von 40 Metern erreicht, und bereits am 17. Juli 2001, fast auf den Tag genau 140 Jahre nach Gründung des Verschönerungsvereins wurde der Turm im Beisein aller, die an seiner Entstehung wirklichen Anteil hatten, feierlich eröffnet.

Heute gehört der Killesbergturm zu den beliebtesten Ausflugszielen in Stuttgart und wird jedes Jahr von vielen Tausend Menschen besucht.

Das Bauwerk beeindruckt mit seiner futuristischen Architektur, bei der sich alle Elemente um den zentralen, 41 m hohen Mast gruppieren. Um diesen Mast spannt sich ein dreieckiges Netz, das sowohl die Aussichtsplattformen als auch die Treppen trägt. Alle Teile wurden hochwertig verzinkt, um einen langjährigen Korrosionsschutz zu gewährleisten. Der Killesbergturm ist ein architektonisches "Sahnestück" am höchsten Punkt des beliebten Höhenparks Killesberg. Eine Wendeltreppe führt zu den vier Aussichtsplattformen, von denen sich zwischen Stahlseilen und luftdurchlässigen Treppen ein fantastischer Blickauf Stuttgart und Umgebung bietet. Der außergewöhnliche Turm erhielt 2002 den Ingenieurbau-Preis.

Hat man eine der vier Plattformen des Turmes erreicht, so bietet sich einem ein außergewöhnlicher Blick auf Stuttgart und dessen Umgebung. Nicht weit entfernt liegt das Restaurant Höhencafé im Höhenpark Killesberg.