Der Hauptbahnhof

Ab 1825 wurden im damaligen Königreich Württemberg Überlegungen angestellt, in welcher Form die verkehrstechnische Erschließung des Landes verbessert werden könnte. Dies führte 1834 zu einem staatlichen Gutachen mit dem Auftrag Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Mit dem Eisenbahngesetz vom 18. April 1934 wurde der Streckenbau festgelegt und es erfolgte die Gründung der Königlich Württembergische Staats-Eisenbahnen (K.W.St.E.).

Das Schienennetz entwickelte sich zuerst über die Zentralbahn von Stuttgart, dem Neckar entlang, nach Ulm, der sogenannten Ostbahn und weiter nach Friedrichshafen am Bodensee über die Südbahn. Auf der anderen Seite entstandt die Westbahn ins badische Bruchsal mit einem Abzeig der Nordbahn in Bietigheim nach Heilbronn (s.a. Geschichte der Eisenbahn in Württemberg). Die Anbindung Stuttgarts sollte nur durch eine Stichbahn nach Cannstadt erfolgen.

Als König Wilhelms I von Württemberg die Anbindung plante wollte er Stuttgart auch verkehrstechnisch in den Vordergrund stellen. Dazu sollte ein Central-Bahnhof in der Nähe des Neuen Schloß erbaut werden. Beauftragt wurde hierzu Baurat Karl von Etzel (1812–1865) dessen Vater, der Oberbaurat Gottlieb Christian Eberhard von Etzel (1784-1840) als Erbauer der Neuen Weinsteige in Stuttgart bekannt wurde.

An den Standort des Central Bahnhofs wurden besondere Anforderungen gestellt. Es sollte in direkter Nähe zum Neuen Schloß in der Schloßstraße (heute Bolzstraße) entstehen und sich in die bestehende Bebauung eingliedern. Karl von Etzel konzipierte einen viergleisigen Kopfbahnhof mit einer hölzernen Dachkonstruktion und Rundportalen.

Die feierliche Eröffnung des Central Bahnhofs fand am 12. September 1846, zum 65. Geburtstag von König Wilhelms I von Württemberg (1781-1864), statt. König Wilhelm I fuhr hierzu von Cannstatt, durch den neu erbauten Rosensteintunnel, in den Central Bahnhof. Die offizielle Eröffnung des Central Bahnhofs und der Strecke Cannstatt – Ludwigsburg fand am 15. September 1846 satt.

Durch die rasante Entwicklung von Bahnreisen und Bahnstecken wurde der viergleisige Central Bahnhof schnell zu klein und es erfolgte durch Georg Morlok (1815-1896) ein Umbau für weitere 4 Gleise. Doch auch dies reichte für die rasante Entwicklung von Bahnreisen nicht. 1890 wurden 4 Millionen und zehn Jahre später bereits 7,5 Millionen Fahrgäste registriert. Da eine Erweiterung des bestehenden Central-Bahnhof nicht mehr möglich war, musste ein Neubau an anderer Stelle erfolgen.

In der Nacht zum 22. Oktober 1922 fuhren die letzten Züge aus dem alten Central Bahnhof in der Schloßstraße.

Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Zugverkehr zunehmend, so dass Stuttgart einen leistungsfähigeren Bahnhof benötigt. König Wilhelm II. von Württemberg (1848-1921) fällte 1907, nach langwierigen Untersuchungen, die Entscheidung für den Erbau des heutigen Stuttgarter Hauptbahnhofs vor dem Stadttor. Überlegungen zum Bau des Bahnhofs in verkehrstechnisch günstiger gelegene Cannstadt wurden genauso verworfen, wie die Planung eines Durchgangsbahnhofs in Stuttgart. Gegen diese beiden Varianten sprach, dass nahezu alle befragten Reisenden Stuttgart als ihr Reisezeil nannten und der Durchgangsbahnhof nur mit umfangreichen Tunnelanlagen zu realisieren war.

1910 wurden im Rahmen eines großen Architektenwettbewerbs der Königlich Württembergische Staats-Eisenbahnen (K.W.St.E.) die Planungen vorangetrieben. Aus den 70 eingegangenen Entwürfen entschied sich die Jury für den Entwurf »umbilicus sueviae« des jungen Architekten Paul Bonatz (1877-1956) und seines Partners Friedrich Eugen Scholer (1874-1949)

Das rechts abgebildete Königstor war das zuletzt gebaute Stuttgarter Stadttor, welches, wie alle anderen, heute nicht mehr vorhanden ist.  Das große Königstor wurde, nach dem Bau des Stuttgart Hauptbahnhofs, als Verkehrshindernis empfunden und 1922 abgerissen. Wenige Überreste des Tors sind heute im Städtischen Lapidarium Stuttgart und das Wappen am Mittelaufgang des Hauptbahnhofs zu finden.

1911 wurde mit dem Bau begonnen und am 21. Oktober 1921 feierte der Stuttgarter Hauptbahnhof die Fertigstellung des ersten Bauteiles (Gleise 9-16). In der Nacht zum 22. Oktober 1922 fuhren die letzten Züge aus dem alten Central Bahnhof in der Schloßstraße und die ersten Züge endeten im neu erbauten Hauptbahnhof an der Schillerstraße.

Der Bau des Hauptbahnhofs, von dessen Architektenwettbewerb bis zur Fertigstellung, dauerte 18 Jahre, wobei 4 Jahre auf  kriegsbedinte Unterbrechungen zurückzuführen sind. Aufgrund dieser langen Zeit veränderte sich der Entwiurf immer wieder umfassend. Auch machten sich die Einflüsse des Berliner Baurat Alexander Rüdell (1852-1920) immer mehr bemerkbar. Im Rahmen seiner bautechnischen Beratung wanderte z.B. der Bahnhofsturm vom Bahnhofsplatz zum Schloßgartenflügel.

Heute ist der Stuttgarter Hauptbahnhof ist der bedeutendste und größte der Landeshauptstadt Stuttgart. Der Kopfbahnhof besitzt 16 Bahnsteiggleise und wird von 250.000 Reisenden frequentiert. Er steht auf Platz acht der Fernbahnhöfe Deutschlands. Neben seiner Bedeutung für den Personenfern- und regionalverkehr ist er Knotenpunkt für die S-Bahn und Straßenbahn.

Zugang zum Hauptbahnhof erhält man über drei Seiten. Auf der Südseite am Turm kommt man über eine Treppe hinein. Von Westen geht es über Rolltreppen und Stufen in die große Schalterhalter und weiter in die Bahnhofshalle. Von Norden geht es ebenerdig in die Bahnhofshalle, die sich von hier aus in ihrer ganzen Größe und Länge zeigt.

Im Inneren des Hauptbahnhof befinden sich inmitten der großen Bahnhofshalle über 40 Geschäfte. Und auch in der Zukunft mit Stuttgart 21 soll es im alten Stuttgarter Hauptbahnhof eine Vielfalt an Läden, Shops und Gastronomie geben.

Von der großen Bahnhofshalle aus gelangt man an die Bahnsteige und zu den Zügen.

Der denkmalgeschützte Stuttgarter Hauptbahnhof ist zentral gelegen. Nahezu 600 Züge fahren jeden Tag von und zum Hauptbahnhof Stuttgart und er bietet ein eindrucksvolles Bild vom Kommen und Gehen der beinahe 250.000 Reisenden pro Tag. Im Minutentakt verändert sich das Bild und bietet für Kinder ein unvergessliches Erlebnis. Auf der Südseite befindet sich der Bahnhofsturm mit der Ausstellung zu Stuttgart 21 und ein wunderschönen Rundumblick über den Bahnhof, den Gleisbereich, die Königstraße uvm. Der Bahnhofsturm eignet sich auch zur kostenlosen Besichtigung mit Kindern.

Gegenüber vom Hauptbahnhof befindet sich Stuttgarts beliebte Einkaufspassage Königstraße, der Schloßgarten, das Planetarium und und die Staatsgalerie Stuttgart. Unterhalb des Bahnhofsgebäudes liegt die Klettpassage mit vielen Geschäften, die wichtige S-Bahn-Haltestelle Hauptbahnhof und die Stadtbahnhaltestelle Hauptbahnhof.

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