Fernsehturm Stuttgart

Der Fernsehturm Stuttgart wurde am 5. Februar 1956 als erster Fernsehturm der Welt eingeweiht. Er war 217 m hoch, wurde zum Prototypen der ersten Fernsehtürme weltweit und wurde mehrfach als Vorbild nachgebaut, wie in Johannesburg (Südafrika), Wuhan (China) oder Berlin. Er ist inzwischen das wohl bekannteste Wahrzeichen von Stuttgart. Von der 150 m hohen Aussichtsplattformüber kann mann vom Neckartal bis zur Schwäbischen Alb und bis zum Schwarzwald schauen. Bei guter Wetterlage und klarer Sicht ist sogar die Bergkette der Alpen sehen.

Zu Weihnachten im Jahre 1952 startete der regelmäßige Fernseh-Sendebetriebs in Deutschland. Aufgrund der Lage Stuttgarts war der Empfang außerordentlich schlecht und teilweise nur mit Spezialantennen möglich. Auch wenn es zu dieser Zeit in Stuttgart nur wenige Fernsehempfänger gab, war es jedoch besonders schmerzlich, dass dies sich auch bei ersten internationalen Direktübertragung der Fernsehgeschichte, der Krönung von Königin Elisabeth II. am 2. Juni 1953, negativ bemerkbar machte.

Diese Problematik war dem Süddeutsche Rundfunk (SDR) schon zu Beginn bewußt. Am Anfang 1953 hatte er deshalb bereits einen Antrag, für einen 200 m hohen Fernseh-Grundnetzsender auf dem 485 m hohen Bopser eingereicht. Dieses Plan konnte aufgrund von Befürchtungen der US-Amerkianer nicht umgesetzt werden. Diese befürchteten Beiträchtigungen ihrer UKW-Relaisstation in Leonberg.

Im Mai 1953 schickte der Brücken- und Hochbauingenieur Fritz Leonhardt verschiedene Planskizzen an den Technischen Direktor des SDR, Helmut Rupp. Wenige Tage später suchte Friz Leonhardt das Gespräch mit dem damaligen Stuttgarter Oberbürgermeister Arnulf Klett. Zusammen mit Helmut Rupp wollte er sein Projekt präsentieren und eine Beteilung Stuttgart an den Kosten ausloten.

In einem begleitenden Brief führte er dazu aus, dass:

„[…] der vorgeschlagene Sendeturm mit Gaststätte in schwindelnder Höhe eine einmalige Attraktion für die Stadt Stuttgart würde. Der Unterschied in der architektonischen Wirkung des freistehenden Betonmastes gegenüber einem Stahlgittermast ist so groß, dass er der Stadt Stuttgart einen gewissen Zuschuss wert sein dürfte.“

Am 13. Juni 1953 wurden durch die Stuttgarter Nachrichten erste Informationen der Öffentlichkeit mitgeteilt. Die Reaktionen hierauf waren niederschmetternd. Der Stuttgarter Gemeinderat befürchtete ein finanzielles Fiasko und Heimatschützer eine Störung des Landschaftsbildes, weshalb sie Einspruch gegen die Schmälerung der Waldfläche erhoben. Nach monatelangen, ergebnislosen Verhandlungen mit der Stadt beschloss der Verwaltungsrat des SDR am 2. Mai 1954, den Turm aus eigenen Mitteln zu finanzieren.

Am 9. Juni 1954 erhielt der SDR die vorläufige Baugenehmigung und bereits am darauffolgenden Tag um 15 Uhr erfolgte der erste Spatenstich durch den damaligen SDR-Intendanten Fritz Eberhard.

In den folgenden Tagen hoben die Bagger eine 8,4 Meter tiefe und 30 Meter im Durchmesser große Grube für das Fundament aus. Daran an schlossen sich Boden-untersuchungen, die sicherstellen sollten, dass es nicht zu einseitigen oder generellen Senkungen kommen konnte. Der von Kalksteinbänken durchsetzte Lias-Schieferton stellte dies sicher, so dass mit dem Bau begonnen und auf Justierungspressen verzichtet werden konnte.

Nach der Errichtung des nur knapp 8 Meter tiefen Fundaments wurde der Turmschaft mittels Kletterschalung vorangetrieben. Nach einer Einlaufzeit wuchs der Turm täglich um 2,50 Meter. Nach wetterbedingten Verzögerungen wurde die 35 Meter-Marke erst am 19. Oktober, mit mehr als einem Monat Verspätung, erreicht. Die Fertigstellung des Fernsehturms als Hauptattraktion zur Eröffnung der Landesausstellung am 1. Juli 1955 war somit infrage gestellt.

Der folgende kalte, frostreiche Winter sorgte für weitere Probleme und Verzögerungen. Am 21. Dezember 1954 wurde eine Höhe von 136 Metern erreicht die Außenarbeiten wurden von Ende Dezember 1954 bis Mitte März 1955 unterbrochen und nur arbeiten im Inneren des Baus wurden fortgesetzt.

Ab Mitte März  1955 erfolgte der Bau des Turmkorbs. Mangels Erfahrung durch Arbeiten in dieser Höhe und die Einwirkungen des Wetter verteuerte und verzögerte sich der Bau weiter.

Die Bauarbeiten Turmkorb dauerten von Mitte März bis Ende Juni 1955. Danach waren die Arbeiten am Turmkorb abgeschlossen. Währenddessen würde bei Prüfungen am Bau festgestellt, dass es durch unvollständige Aufschüttungen zu Setzungen um 40 Millimeter nach Südwesten gekommen war.

Ein weiteres Problem entstand in dieser Bauphase in Form der Windbelastung. Um den Turm bei Sturm nicht zu sehr zu belasten kamen nur zwei Varianten des Weiterbaus in Betracht. Zum einen Weiterbau ohne Gittermast und mit unverkleidetem Turmkorb oder mit Gittermast und verkleidetem Turmkorb. Aus letzter Variante resultierte ein zweigleisiger Weiterbau mit gefährlicherem Bauablauf. Das letzte Mastteil wurde am 17. August mittels einem auf dem Korbdach montierten Derrickkran hochgehievt, so dass das Richtfest am 23. August gefeiert werden konnte. Kurz danach, am 7. September, passierte der einzige nennenswerte Arbeitsunfall mit einem herabstürzenden Kabel. Der Arbeiter musste für fünf Tage krankgeschrieben werden. Aufgrund des Baufortschritts im Sendergeschoss konnte bereits am 29. Oktober mit der Ausstrahlung von Fernsehsendungen begonnen werden.

Bis zu diesem Zeitpunkt stand immer noch keiner der Fahrstühle im Inneren des Turms zur Verfügung, so dass Arbeitsmaterialien und Personen nur über einen einfachen Lastenaufzug transportiert werden konnten. Allerdings mussten die Arbeiter in der Regel den Weg über die Innentreppe nach oben in den Korb nehmen.

Zu diesem Zeitpunkt standen noch weitere Innenarbeiten an, wie z. B. der Einbau der Fahrstühle. Hierbei stießen die Arbeiter auf das Problem, dass die Justierung der Führungsschienen nur in der Nacht durchgeführt werden konnten, da sich der Turmkorb bei Sonneneinstrahlung um 17 Zentimeter in Richtung Schattenseite neigte. Deshalb mussten auch Oberbürgermeister Arnulf Klett und seine Frau am 31. Dezember beim Besuch des Fernsehturm mit der Freiluftgondel nach oben befördert werden. Mit einer Höhe von 211,96 Metern war der Fernsehturm das höchste Bauwerk des Landes Baden-Württembergs und das zehnthöchste der Welt.

 

weitere Daten:

Gewicht oberirdisch:2980 Tonnen
Last auf den Fundamenten:    8030 Tonnen
Gewicht Turmkopf:510 Tonnen
Nutzlast Turmkopf: 300 Tonnen
Fundament-Durchmesser:27 Meter
Fundament-Höhe:7,50 Meter
Turmkopf-Biegung bei Sturm:    20 bis 25 cm
2 Aufzüge je: 16 Personen
Leistung Aufzüge zusammen:750 Personen p. Std.
Höhe bis 1965211,96 Meter
Höhe seit 1966216,61 Meter
Anzahl Besucher 1957930 549
Anzahl Besucher 2012331 381

Fernsehturm Stuttgart - Der Bau

Stuttgarter Fernsehturm - Die Übergabe

Ereignisse und Besonderheiten aus 60 Jahren Fernsehturm

  • 1959: Verleihung des Architekturpreis wegen herausragenden baulichen Bedeutung.
  • 1965: Erhöhung Mast auf ca. 217 Meter und höhere Sendeleistung.
  • 1967: Wegen der Einführung des Farbfernsehens wird ein zweiter Sender installiert.
  • 1979: Renovierung des Restaurant am Fuß.
  • 1981: Beginn der Fernseh-Reihe "Treffpunkt Fernsehturm" in Südwest 3.
  • 1983: Nach neunmonatiger Renovierung werden die Gasträume im Fernsehturm wieder eingeweiht.
  • 1986: Aufnahme in die Liste der Kulturdenkmäler.
  • 1990: Aktion "Lichtzeichen": Grünes und rotes Licht, das sich den Turm hinaufwindet, lässt den Turm fünf Nächte lang Mahnmal gegen die drohende Klimakatastrophe werden.
  • 1995: Queen Elizabeth II. ist zum Staatsbesuch in Stuttgart und den Fernsehturm.
  • 1996: Fritz Leonhardt der Baumeister verweigert Bungee-Sprünge zum 40-Jahr-Jubileum.
  • 1999: Willi Weber, damals noch Manager von Formel-1-Weltmeister Michael Schuhmacher eröffnet ein Gourmetrestaurant. Das Restuarant wurde mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. 2004 wurde das Restaurant geschlossen.
  • 2000: Palästinenserführer Jassir Arafat besucht den Fernsehturm.
  • 2001: eineinhalb Jahre nach dem Tod Baumeisters im Dezember 1999 erste Sprünge vom Fernsehturm. Internationale Fallschirmspringer um Weltmeister Klaus Renz springen vor tausenden Zuschauern in die Tiefe.
  • 2004: Am Himmelfahrtstag fährt Hochseilartist Johann Traber auf Seilen 53 m zum Turm hinauf. Bis zur Kanzel hinauf hatte sich die Steigung als zu steil erwiesen.
  • 2006: Fernsehturmlauf, Thomas Dold gewinnt den "Sprint".
  • 2007: Lichtkunst am Turm. Audi beleuchtet den Turm im Rahmen einer Werbeveranstaltung.
  • 2007: Fernsehturmlauf, Thomas Dold gewinnt den "Sprint" zum zweiten Mal.
  • 2008: Fernsehturmlauf, Thomas Dold gewinnt den "Sprint" zum dritten Mal.
  • 2009: zwei Fallschirmspringer springen verbotenerweise vom Fernsehturm und verschwinden unerkannt.
  • 2009: Fernsehturmlauf, Thomas Dold gewinnt den "Sprint" von 762 Stufen zum vierten Mal in Rekordzeit von 4 Minuten und 5 Sekunden.
  • 2009: Verleihung des Titels 'Historisches Wahrzeichen' der Ingenieurbaukunst in Deutschland durch die Bundesingenieurkammer.
  • 2013: Schließung März 2013 durch Obermeister Fritz Kuhn (Grüne).
  • 2014: Turm geschlossen
  • 2015: Turm geschlossen
  • 2016: Wiedereröffnung am 30. Januar

Quelle: Wikipedia, Stuttgarter Zeitung